Arbeiten mit im KiGo-Team (von links): Pastorin Angelika Wiesel, Christine Höldke-Merten, Ingrid Hoffmann, Daniela Heinze

Förderpreisträger 2003: Die Kindergottesdienst Gruppe, ein ehrenamtliches Frauenteam mit einem außergewöhnlichen „Engagement bei der vorschulischen, christlichen, kirchlichen Arbeit mit Kindern.“

 

Die Diskussion über die Vergabe des Stiftungspreises innerhalb des Stiftungsbeirates war sehr beglückend. Es gab etliche gute Vorschläge, die sicher alle einen Preis verdient hätten. Nach sorgfältiger, offener und niveauvoller Debatte hat der Beirat dem Stiftungs-Vorstand einen Vorschlag unterbreitet, und ich freue mich über die daraufhin im Vorstand gefallene Entscheidung: mit dem diesjährigen Stiftungspreis wird eine Gruppe ausgezeichnet, die seit vielen Jahren und mit größter Kontinuität für unsere Dorfgemeinschaft arbeitet, so zuverlässig, dass deren Wirken von vielen Bordenauern wahrscheinlich schon fast als eine Selbstverständlichkeit empfunden wird. Als ich 1975 nach Bordenau zog, musste ich erst einmal lange auf die Karte schauen, um überhaupt erst einmal die Lage Bordenaus zu erkunden. Ich hatte den Ortsnamen nie zuvor gehört. Und auch meine Trauung fand noch im gleichen Jahr in Hannover statt, weil mir natürlich auch die Bordenauer Kirchengemeinde bis zu dem Zeitpunkt fremd war.
Die Laudatio hielt Hanns Stahmer, Mitglied des Stiftungsbeirates,

Doch schon bald wurde mir Bordenau vertraut und heimisch. Dieses Vertraut-sein mit Bordenau wuchs besonders natürlich durch unsere beiden Kinder, die sich gerne im Kindergarten tummelten. Doch neben dieser öffentlichen Einrichtung erlebten wir zu unserer großen Freude, dass es in unserem Dorf noch mehr gab als den gesetzlich vorgeschriebenen Hortplatz. Da gab es immer wieder sonntags einen Kreis, in dem unsere Kinder von freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern fröhlich betraut wurden. Ein Kreis, in dem gesungen und getanzt, gebastelt und erzählt wurde, wo Gemeinschaft gepflegt wurde, Rücksichtnahme und Toleranz erlebt wurde, wo Geborgenheit erfahren wurde ­ kurz: wo christlicher Glaube einfach erlebt und praktiziert wurde.

Martin Drebs (rechts) erhielt Fördermittel für die Initiative „Unser Dorf liest“ und sein großes literarisches Engagement in Bordenau , überreicht von Klaus Kochanek
Na, jetzt ahnen Sie wohl alle, wer heute ausgezeichnet wird. Es ist keine Einzelperson sondern ein stattlicher Kreis von vielen langjährigen Mitarbeitern: Ich hoffe es findet Ihren Beifall, wenn ich Ihnen verkünde: Der diesjährige Stiftungspreis geht an das Bordenauer Kindergottesdienstteam!
Mancher denkt jetzt vielleicht: Kindergottesdienste gibt es doch überall. Aber ich bezweifle, dass auch überall so anspruchsvoller Kindergottesdienst
wie in Bordenau stattfindet. Hier wird nicht nur jeden Sonntag eine Jesus-Geschichte erzählt. Hier beschränkt sich die Arbeit an den Kindern nicht auf eine Sonntagsstunde. Ich erwähne hier nur die vielen gesungenen Auftritte bei den Alten im Advent oder auch bei Marlies Ostermeyer. Im Advent gibt es regelmäßig allabendlich die Gute-Nacht-Geschichten, zum Sommerende den Theaterbesuch. Ich erinnere mich an das Laternenbasteln und an den Martins-Umzug, an das Zelten im Pfarrgarten, an die Mitwirkungen bei den Krippenspielen, und nicht zu vergessen, die Mitwirklungen bei den Familiengottesdiensten.
Erwähnt werden soll aber auch die inhaltliche Sorgfalt unseres Kigo-Teams. Weitab von bloßer Beschäftigungstherapie findet im verborgenen Hintergrund eine regelmäßige Jahresplanung statt. Und in etlichen Klausurtreffen und vielen Abendsitzungen werden immer wieder Themenkreise vorbereitet, bei denen der Routine eines Kirchenjahres vorgebeugt wird. Stellen Sie sich vor, die Kinder würden nach einem Jahr plötzlich alle wegbleiben, weil sich die Geschichten ja nun nach einem Jahr alle wiederholten!
Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es! Hier passt dieses Wort wirklich. Natürlich gab es in unserer Kirche regelmäßig die „Sonntagspredigt“. Aber schwingt mit diesem Begriff „Sonntagspredigt“ nicht schon ein wenig mit: eine Predigt nur für den Sonntag? In unserer Bordenauer St.Thomas -Gemeinde erlebten wir und erleben es auch heute weiterhin, dass vom Pfarrhaus so viele Impulse ausgehen, dass die „Sonntagspredigten“ auch ständig mit Leben erfüllt wurden und somit keine „Sonntagspredigten“ blieben.
Werner Schmidt würdigte amüsant poetisch den „Büchergarten“ von Johanna Korte
Hier muss natürlich vor allem der unermüdlichen Pfarrersfrau Elisabeth Schmidt gedankt werden, die sich vom ersten bis zum letzten Tag der langen „PG-Schmidt-Ära“ mit großem Geschick den KIGOS gewidmet hat ­ sei es, dass sie die Stunden selbst gab, oder ­ was noch viel segensreicher sein kann ­ dass sie immer wieder engagierte Mitarbeiter fand, überzeugte, anlernte, fortbildete und sich um alles kümmerte, was für die dauerhafte und erfolgreiche KIGO -Arbeit erforderlich war. Dank Ihres persönlichen Einsatzes konnte sie auch immer wieder um sich herum ein Team von Mitarbeitern und Helfern gewinnen, die natürlich auch alle mit dieser Stiftungsauszeichnung geehrt werden. Wer schon ein paar Jährchen in Bordenau lebt und auch Kinder hat, erinnert sich vielleicht noch an die Namen von Kigo-Helfern, wie z.B. Markus Kayka
(„Gurkennase“) und Markus Jahn, Heike Löffelholz, Frau Rodde-Wirbals, Renate Kloster, Frau Seide, Herr Seide, Christina Fritzsche, Ingrid Fritzsche, Susanne Overheu, Regina Lange, Walter Gotzleben, Ingrid Riepel, Frau Adler, Birgit Gering
Jetzt komme ich zu dem gegenwärtigen und aktuellen Team: Daniela Heinz lenkt den Kreis jetzt sozusagen, Christine Höldke-Merten arbeitet mit, seit vielen, vielen Jahren sind immer noch aktiv: Frau Ingrid Hoffmann, und Frau Gudrun Kusche, Frau Rosie Troue und ihre Tochter Silvia sind uns bekannt durch die Herstellung der wunderschönen Schultüten, und ebenso aktuell: Michaela Scheffler, und jetzt stößt gerade noch als neuestes Mitglied Frau Najda dazu.

Nun hatten wir ja seit dem Ortswechsel von Pastor Schmidt nach Hannover-Döhren zunächst einmal ein schwieriges Vakanzjahr zu überstehen. Zu unserer eigenen Verblüffung zeigte sich bei dieser Gelegenheit, wie viele engagierte Kräfte in unserer Gemeinde leben. Allen Gruppen voran arbeitete das Kigo-Team zuverlässig weiter, von schlapp machen keine Spur ­ fast wie eine Fußballmannschaft, die gezwungen ist, nur mit 10 Mann zu kämpfen, und dabei plötzlich ungeahnte Energien mobilisiert ­ so wurden auch im Jahre 2001/ 2002 unsere Kinder Sonntag für Sonntag verwöhnt mit Geschichten und Liedern, mal mit Buntstiften, mal mit Schere und Heißkleber, mal etwas für den Magen, mal etwas für die Seele, mal im Gemeindehaus, mal im Kanu, mal vor dem Altar, mal im Grünen.

„Unser Dorf liest“ bedankte sich für die Fördermittel mit der Satire
„Romane, die das Leben schreibt“ von Hugo Wiener, im Dialog gelesen von Annegret Scholz (links) und Vera Urich
Und – als hätten unsere Kigo-Mitarbeiter das Glück des Tüchtigen gepachtet ­ seit nun auch schon wieder 1 1/2 Jahren lenkt inzwischen unserer neue Pastorin Angelika Wiesel die Geschicke unserer Gemeinde ­ und abermals arbeitet gegenwärtig das Kigo-Team mit diesem „Austauschmotor“ erfolgreich weiter, als hätten wir nur einen kurzen Tankstopp gehabt. Liebe Frau Wiesel, bitte nehmen Sie diese Auszeichnung entgegen, auch stellvertretend für die hinter uns liegende Erfolgsstory die da lautet: „20 Jahre ehrenamtlicher Kindergottesdienst in Bordenau“. Ihnen sei gedankt für Ihr „Ja“ zu Bordenau. Zugleich wünscht Ihnen die Stiftung Bordenau, dass es Ihnen weiterhin gelingen möge, diese Erfolgsstory weiter zu schreiben. Bitte nehmen Sie heute außer unserem Briefumschlag und den Blumen für sich und für Ihr Team die Gewissheit mit, dass Sie segensreich an unseren Kindern arbeiten, und dass darüber hinaus hinter jedem Kindergottesdienstkind auch dankbare Eltern stehen, die Sie vielleicht nicht immer zu sehen bekommen, in deren Namen ich aber sicher auch sagen darf:Bordenau ist glücklich darüber, dass hier bei uns der Kindergottesdienst so
hervorragend funktioniert. Der Kindergottesdienst in Bordenau ist wegen
seiner hilfreichen Lebensorientierung für die vielen, vielen Kinder und für
praktisch inzwischen eine ganze Elterngeneration ein fester Bestandteil des
Ortes und eine anerkannte Institution unserer Dorfgemeinschaft.Die Stiftung Bordenau wünscht Ihnen und Ihrem Team: „Machen Sie nur so weiter!“
Text: Hanns Stahmer,  Fotos: Klaus Detering