Ein Mann  mit  Herz und Mund für Bordenau am rechten Fleck. In vielen ehrenamtlichen Bereichen über Jahre tätig.  Jugendarbeit im TSV, Pflege des Kirchplatzes, Osterfeuer, aktive Hilfe beim Bau des Dorfgemeinschaftshauses, Verwaltung des DGH, Organisation und Durchführung eines regelmäßigen Seniorentreffens mit Kaffee und Kuchen zu Spielen und Gesprächen.  Paul Schnepel  hat es immer verstanden, viele „Bordenauer, Bordenauerinnen aller Altersklassen einzubinden und somit erheblich zur Förderung der Gemeinschaft“ beizutragen.


Paul Schnepel (links) erhält den
Förderpreis 2004 von Harry Piehl

 


Stiftung bringt Bordenaus Kultur ans Licht

Von Patricia Chadde
Bordenau. Landwirte gibt es nicht mehr so viele im idyllischen Bordenau. Aber das langjähriges Zusammenwirken der Bewohner eine reiche Kultur-Ernte einbringt, bewies das Stiftungsfest zum 14. Mal. Entstanden aus dem erwirtschaften Überschuss der 1100 Jahr-Feier 1989 sowie dem mehrjährigen Verzicht der Vereine auf finanzielle Unterstützung des Ortsrates, kamen 50.000 DM Stiftungskapital zusammen. Die Zinsen werden seit 1991 jährlich ausgeschüttet, um besondere Initiativen zu fördern. Zusätzlich gibt es den mit 500 Euro dotierten Stiftungspreis, der in diesem Jahr an den rührigen Paul Schnepel ging, dessen Dankesrede etwa drei mal so lang wie die ausführliche Laudatio von Harry Piehl war.
Fördermittel gab es zur Begleichung der Ampelrechnung an Dr. Christiane Bracke und Karsten Dölfes, für den Büchergarten von Johanna Korte, zur Restaurierung des Spielplatzes am Burgsteller Weg, für die Lesung am 3. Oktober sowie zwei Hip-Hop Künstler, die frischen Schwung ins Bordenauer Kulturleben bringen werden. Auch die Anglergemeinschaft wird unterstützt sowie ein Foto-Geschichtsprojekt, welches das Engagement von Bordenauer Persönlichkeiten im Verlauf der vergangenen 10 Jahren reflektiert.


Die Bordenauer ‘Dorfmusikanten’

Karsten Dölfes, Christiane Bracke, Annegret Scholz (v.l.)

Harry Piehl
Foto: K. Detering

Besonders interessant: Die Fördermittel werden oft nicht verbraucht, weil sich während des Projektes noch zusätzliche inspirierte Spender finden. “Ich sehe die Stiftung als Zündfunken, der das Bordenauer Potential zum Leuchten bringt” meint Laudator Harry Piehl bevor die Bordenauer ‘Dorfmusikanten’ musikalisch ordentlich Stimmung machten.

Fotos(3) und Text: Patricia Chadde

Die Laudatio für den Förderpreisträger 2004 von Harry Piehl

Liebe Bordenauerinnen und Bordenauer, liebe Gäste und Vertreter der Presse,

wir kommen nun zur Vergabe des Förderpreises der Stiftung Bordenau und ich habe die ehrenvolle Aufgabe, die Laudatio auf den Preisträger zu halten.
Wie Sie alle sicherlich wissen, bekommt den Förderpreis, der mit 500,- Euro dotiert ist, eine Person oder Gruppe, die im Rahmen der Stiftungssatzung besondere Leistungen für Bordenau erbracht hat, oft auch noch als Ansporn weiter zu machen. Im Laufe der vergangenen Jahre sind einige Gruppen und Personen ausgezeichnet worden und jedes Jahr haben die Stiftungsmitglieder eine schwierige Aufgabe, den richtigen Preisträger aus der Anzahl der Vorschläge zu finden, was aber immer wieder einvernehmlich gelungen ist, so auch in diesem Jahr.

Kommen wir nun aber zum diesjährigen Preisträger.

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren – wenn man dieses bei 40-50 Jahren schon so nennen kann. So fangen alle Märchen an und ich meine auch ein Bordenauer. So etwa Ende der 50 er Jahre im vorigen Jahrhundert, da dachten die Bordenauer Gemeindeväter, wir müssen das Dorf vergrößern und junge Familien müssen hier her. Also wurde ein neues Baugebiet geschaffen, das jeder unter dem “Ahnser Feld“ hier kennt. In diesem siedelten sich dann so ab Anfang der 60 er Jahre viele neue Bürger aus Nah und Fern an. In dieser Zeit war der Schützenverein schon 50 Jahre alt, der TSV 30 Jahre und der MGV sogar schon 70 Jahre.
Ich wohnte damals noch in Neustadt und wusste gar nicht, dass es Bordenau gibt.

Mit der Ansiedelung der vielen neuen Bürger wuchs Bordenau natürlich auch in der Einwohnerzahl sehr schnell und es wurden viele neue Aktivitäten in Bordenau geschaffen.
Die Damenabteilung des Schützenverein wurde gegründet, es bildetet sich ein Spielmannszug, den man heute unter dem Fanfarencorps kennt und im TSV kamen einige Sparten hinzu.

Hilde und Paul Schnepel – eine Momentaufnahme 2002
Nachdem die Neubürger ihre Häuser gebaut hatten, wurde auch wieder an die Freizeit gedacht und viele der Bordenauer gingen in die neuen Gruppen, so z.B. in die Damengymnastikgruppe, wobei die Turnhalle vom Ansturm dann proppevoll war, oder die Tischtennissparte wurde neu gegründet. Aber mit den neuen Bürgern kamen auch Leute nach Bordenau, die mehr tun wollten als nur mitzumachen.
Da gab es z.B. jemand, der dem Tischtennis sehr verbunden war und der dann hier auch die Tischtennissparte mit aufgebaut hat. Er hat die damals neu gegründete Damensparte betreut und ist mit ihnen zum 1. Punktspiel gefahren und hat das erste Unentschieden der Damen sogar mit einer Flasche Sekt begossen. Es wurden dann sogar noch die Kinder- und Jugendsparte gebildet und von ihm betreut.
Mit den Kindern und Jugendlichen des Vereins und den Nachbarkindern kam man dann auf die Idee, mal den Wald hinter dem Wanderheim ein bisschen aufzuräumen in dem durch den großen Sturm von 1972 viel Bruchholz lag.
Daraus ergab sich dann ein schönes Lagerfeuer bei dem auch gegrillt und gebraten wurde. Dieses fand man dann so gut, dass man es jährlich wiederholte aber nun zu einem bestimmten Termin, nämlich zu Ostern und damit war das Osterfeuer hinter dem Wanderheim geboren, welches sich auch noch heute großer Beliebtheit erfreut.

Das Osterfeuerteam entfachte 2000
das Feuer zum 25. Mal
Da natürlich das Osterfeuer nur 1x im Jahr war, sonst wäre es ja kein Osterfeuer, das Jahr aber so lang war, musste noch etwas anderes her.
Also entschloss man sich, aus den Einnahmen etwas für Bordenau zu spenden, und so wurden die Namen der gefallenen Bordenauer aus den beiden Weltkriegen am Ehrenmal mit neuem Blattgold versehen, und da es im Herbst immer mit sehr viel Arbeit verbunden war, den Kirchplatz zu säubern, mobilisierte unser Preisträger auch gleich wieder sein Osterfeuerteam, das dann jahrelang den Kirchplatz säuberte und in Schuss hielt.
Da dieses dann aber auch noch nicht genug war, wurde dann auch noch die Versorgung des immer größer werdenden Gemeindefestes der Kirche übernommen. Nun glauben Sie ja nicht, das war schon alles, nein auch der Schießsport gefiel diesem Mann und schon war er 1985 Alterskönig und wurde als “König Paul der 1.” von den Nachbarn der Scharnhorststraße geehrt und gefeiert.
Zu dieser Feier war auch ich eingeladen und trat an diesem Tag in den Schützenverein ein, obwohl ich vorher nichts mit Vereinen am Hut hatte. Was daraus geworden ist, wissen sie ja. Sie kennen mich ja.
Nun wissen sie sicherlich auch schon, um wen es sich in diesem Jahr handelt.

Es ist Paul Schnepel, der in diesem Jahr den Förderpreis der Stiftung erhält.Aber nun weiter in dem Leben des Paul Schnepel hier in Bordenau.

Auch im Schützenverein wurden ehrenamtliche Funktionen übernommen.
Die Politik hatte es ihm auch angetan und so trat er auch in eine Partei ein und wir brauchen gar nicht lange raten in welche: es war die SPD, in der er auch in Bordenau Aufgaben übernahm und sogar einige Zeit im Ortsrat war. Man nannte ihn auch scherzhaft der “Rote Paul”, weil er immer mit Überzeugung seine Meinung vertrat und dieses auch heute noch tut.
Aber das Tischtennis ließ ihn nicht los. Es wurde wieder eine Kindergruppe übernommen und betreut, aber es wurde auch über Bordenau hinweggeschaut.
Da gab es eine Europameisterschaft im Tischtennis in Hannover nach der Wende und da dort Unterkunftsmöglichkeiten gesucht wurden fuhr Paul dahin und brachte 2 Gäste mit, die dann bei ihm und seiner Familie wohnten und nun raten sie mal wo die herkamen, natürlich aus der ehemaligen DDR, aus Zeulenroda.
Diese Gäste hatten aber wieder Verbindungen im Tischtennis zu einem kleinen Ort in der Nähe von Zeulenroda und der hieß Weißendorf und wie wir unseren Paul nun schon kennen gelernt haben, wurden sofort Pläne geschmiedet, diesen kleinen Ort zu besuchen und die Einwohner zu unterstützen, wenn es Fragen gab in verschiedensten Dingen.

Beim nächsten Osterfeuer wurden diese Pläne dann akuter und so entwickelte sich eine Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen, wobei Besichtigungen hier und dort organisiert wurden aber auch das Feiern nicht zu kurz kam.

Der Dorfmittelpunkt von Weißendorf 2004

Als Gastgeschenk steht noch heute eine Bank auf dem Anger, dem Ortsmittelpunkt, in Weißendorf und bei einem unserer Besuche wurde den Weißendorfern sogar ein Lied als Gastgeschenk mitgebracht, welches Paul aus dem Rennsteiglied umgedichtet hatte. Aus dieser Zeit sind heute immer noch private Kontakte vorhanden und kleinere Besuche finden immer noch statt.
Hier in Bordenau ergab sich aber noch ein andere Ereignis.
Es wurde ein Dorfgemeinschaftshaus gebaut und es dauerte nicht lange da wurde ein Dorfgemeinschaftsverein gegründet um das Haus durch diesen Verein verwalten zu lassen.
Eine schwere Aufgabe kam auf diesen Verein zu. Es musste nämlich jemand gefunden werden, der dieses Haus auch verwaltet und Vermietungen regelt.

Das DGH am Dorfteich
Nun wissen sie ja, wer das jahrelang mit großem Eifer gemacht hat. Nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Instandhaltung, kleinere Reparaturen und Veränderungen wurden von Paul und seinen Freunden übernommen.
In dieser Zeit gründete er auch den Bürgertreff, der heute noch weiter geführt wird und an dem er regelmäßig teilnimmt, und die Weihnachtsfeier am 1. Advent im Dorfgemeinschaftshaus.
Auch die schöne Bank vor diesem Dorfgemeinschaftshaus ist eine gemeinschaftliche Arbeit von Paul und seinen Freunden.So hat dieser Mann über Jahrzehnte hinweg das Leben in Bordenau, ohne Eigennutz nur aus Spaß an der Sache und am Spaß mit dem Umgang anderer Leute diese zu motivieren, auch etwas zu tun, mit geprägt.
Dafür gebührt ihm der Dank aller Bordenauer, die die Stiftung ihm mit der Übergabe des Förderpreises zuteil lassen will.

Ich bin stolz darauf, dass Bordenau solche Bürger hat und ich bin stolz darauf, in diesem Dorf zu wohnen in dem es noch viele dieser Bürger gibt die sich für ihr Dorf in Vereinen, für kulturelle Veranstaltungen, für Kirche und Politik, für das Zusammenleben der Bordenauer und vor allem auch für unsere Kinder einsetzen, denn diese sind unsere Zukunft.


Harry Piehl
Foto: K. Detering

Paul, im Namen der Stiftung darf ich dir den Förderpreis 2004 übergeben und gratuliere dir dazu von ganzem Herzen.

Und wie enden alle Märchen?  Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute und das soll Paul noch lange, sehr lange.
Ich wünsche dir weiterhin viel Gesundheit im Kreise deiner Familie und nimm du an diesem Leben in Bordenau weiterhin so teil.

Vielen Dank